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Pfingstfahrt 2026 an die Schlei
Vier Generationen auf dem Wasser – und eine herbe Enttäuschung

Kaum hatte ich die Ausschreibung gelesen, lief der Film. Großgewässer. Seemannskneipen. Marodierende Wikingerbanden. Dazu norddeutsches Wetter, also Wind von vorn, Regen von der Seite und ein bisschen Drama für die Akten. Nichts Großes also.

Zu Pfingsten trafen wir uns also an der Schlei. Lars hatte im Campingpark Schlei-Karschau die „Romantische Ecke“ reserviert. Ein guter Ort für eine wilde Meute. Und ein Campingplatz, der Paddler und Wassersportler nicht nur duldet, sondern offenbar einkalkuliert. Wir waren 45 Paddlerinnen und Paddler aus vier Generationen.

Angereist wurde mit allem, was rollt, zieht, schwimmt oder fährt: PKW, Wohnmobile, Gespanne, Bahn und sogar zwei Segelboote. Hans-Dieter, unser Ehrenmitglied, überraschte am Sonntag vermutlich sich selbst am meisten, als er mit dem Rudel mithielt. Alwin hielt alle auf Trab. Benne hielt Papa beim Paddeln auf Trab. Damit war die Altersspanne sauber abgesteckt. Für mich ist es ein echtes Privileg, mit so einer Gruppe unterwegs sein zu dürfen.

Schlei
Schlei
Die Schlei

Die Schlei ist der norddeutsche Nachwuchs aus einer Ehe zwischen Fluss und See. Eigentlich ist sie ein knapp 40 Kilometer langer Meeresarm. Sie zieht sich von der Ostsee bis tief ins Landesinnere nach Schleswig. Mal eng und fast flussartig. Dann wieder weit aufgezogen wie ein Binnensee. Unterwegs weiß man nie ganz genau, ob man noch gemütlich wandert oder schon besser den Seekajakmodus einschaltet.

Genau das macht den Reiz aus. In Ufernähe gleitet man entspannt durch Buchten, vorbei an Schilf, kleinen Dörfern und Schwänen, die so tun, als gehöre ihnen das alles. Kaum erreicht man eine der „Breiten“, erinnert die Schlei daran, dass sie eben doch zur Ostsee gehört. Dann gibt es kurze, ehrliche Wellen. Keine Heldensaga. Aber auch kein Planschbecken.

Dazwischen liegen diese typischen Schleimomente. Pause in einer windgeschützten Bucht. Blick auf alte Fischerorte. Und immer wieder dieser kleine Gedanke: Ach komm, die nächste Landzunge gucken wir noch eben an.

Kurz gesagt: Die Schlei kann Pfingstfahrt. Gemeinsames Dahingleiten. Ein bisschen Abenteuer. Viel norddeutsche Gelassenheit.

Die Touren

Schon am Freitag fand sich eine Gruppe der Willigen. Bestes Wetter. Erste Kilometer auf der Schlei. Am Samstag ging es vom Campingplatz aus in fast kompletter Gruppenstärke nach Westen. Lars hatte eine Pausenstelle mit Strandzugang auserkoren. Am Ende standen 14 Kilometer auf der Uhr. Auch das Wetter machte weiter auf Freund: 27 Grad, Sonne, wenig Anlass zur Beschwerde. Sonnenbrände wurden offiziell nicht verzeichnet. „Das ist morgen braun!“ wurde als medizinische Einordnung akzeptiert. Abends klang der Tag beim gemeinsamen Grillen aus. Ruhig. Gesellig. Genau richtig.

Schlei
Schlei

Am Sonntag schaffte es dann die gesamte Belegschaft in die Boote. Selbst der feine Herr Erste Vorsitzende gab sich die Ehre. Wir paddelten Richtung Kappeln. Arnis, dieses kleine Werften-Dorf, war das erste Highlight. Maritim interessierte Kanuten haben offenbar ein Faible für maritimen Kram. Mit langem Hals ging es vorbei an alten und neuen Schiffen, Werften, verfallenen und aufgemotzten Hausbooten. Weiter nach Norden. Kappeln empfing uns mit ordentlich Freizeitverkehr an der Heringsschleuse und einer leicht auffrischenden Brise. Bei knapp 30 Grad war das Lüftchen sehr willkommen. Die Pause an der Badestelle Ellenberg teilten wir uns mit einer Hundegruppe und ihren gut dressierten Menschen. Auch am Montag wurde angeblich noch gepaddelt. Auf der Schlei. Im Don Huddel.

Schlei
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Die Enttäuschung nun in Worte gegossen

Was nützt einem geneigten Seekajakfahrer ein Großgewässer, wenn die Bedingungen dann Ententeich sind? Was helfen notorische Seemannskneipen, wenn man die letzte vor 20 Jahren selbst in Schutt und Asche gelegt hat und heute froh ist, gemütlich im Lager zu sitzen, zu klönen und ein Bierchen zu trinken? Was bringt die Legende von Haithabu, wenn man mit 45 im Herzen wilden Kameraden einen friedlichen, zugewandten und ziemlich unterhaltsamen Tag verbringt? Was soll diese norddeutsche Wetterlegende, wenn der größte Struggle darin besteht, dass das UV-Shirt verrutscht und die Sonnencreme in den Augen brennt? Was soll das alles?

Jonas Schwebe